Reise in die Stratosphäre

Auflassen eines Wetterballons im Geographieunterricht der Klasse 5a

Einen mit Helium gefüllten Luftballon hat der ein oder andere von euch vielleicht schon mal in die Luft gehen sehen oder sogar selbst steigen lassen. Wir, die Klasse 5a, hatten im Mai die Gelegenheit, einen Wetterballon inklusive einer Kamera auf einen Erkundungsflug in die Stratosphäre zu schicken. Wie unser Projekt ablief, lest ihr hier:

17.Mai 2019
In den ersten Schulstunden, bevor es endlich losging, warteten wir alle sehr gespannt, schließlich hatte niemand von uns etwas Ähnliches zuvor schon einmal gemacht. Dann, in der großen Pause, konnten wir endlich auf den Sportplatz, wo schon das Team wartete, das uns dieses spannende Projekt ermöglichen sollte.

Lennard Braun, ein Schüler der Klasse 5a kam auf die Idee dieses Projekt durchzuführen, als die Klasse das Thema Wetter in Erdkunde durchnahm. Unsere Erdkundelehrerin Frau Pauldrach und unsere Schulleiterin Frau Ferrari stimmten der Durchführung zu. Mit viel eigenem Engagement und großer Unterstützung seiner Familie, konnte Lennard nicht nur seiner ganzen Klasse eine Teilnahme an diesem aufregenden Ereignis ermöglichen, es gelang ihm auch die Firma Metallbau Falter aus Hemsbach als Sponsor für das Ballongas zu gewinnen.

Der Startzeitpunkt war genau vorgegeben, denn für das Auflassen eines Wetterballons braucht man eine Startgenehmigung, die schon Wochen zuvor beim Land Baden-Württemberg und bei der Flugsicherung in Frankfurt eingeholt werden muss. Ebenfalls wichtig: Zum Startzeitpunkt darf der Himmel nicht mehr als zur Hälfte mit Wolken bedeckt sein, ansonsten muss der Start verschoben werden. Wir hatten Glück. Die Wolkendecke riss im Laufe des Vormittags auf und die Sonne kam zum Vorschein.

Dank einer detaillierten Vorbereitung durch Lennard und seine Mutter, wussten alle, was zu tun war. Jedem aus der Klasse war eine wichtige Aufgabe bei den Startvorbereitungen zugeteilt worden. Keiner durfte einen Fehler machen. Es durfte nichts schief gehen. Deshalb packten alle aus der Klasse konzentriert mit an, während die Zeit bis zum Start unaufhaltsam runtertickte.

Die Kamera, eine Action Cam, wurde eingeschaltet und zusammen mit dem GPS-Tracker in die selbstgebaute Sonde eingebaut.


Die selbstgebaute Sonde mit eingebauter Kamera und integriertem GPS-Tracker.

Mit vier Helfern wurde der Ballon mit Gas befüllt. Um zu verhindern, dass die empfindliche Ballonhaut ein Loch bekommt, dufte der Ballon von den Helfern nur mit Handschuhen angefasst werden. Die genaue Gasmenge war zuvor mit Hilfe eines Programms auf dem Computer berechnet worden. Sie entscheidet darüber, wie hoch und wie schnell der Ballon in die Stratosphäre steigt.


Vorbereitungen zum Befüllen des Ballons.

Nach dem Befüllen wurde der Ballon mit Kabelbindern verschlossen. Anschließend wurde der Fallschirm, der dafür sorgt, dass die Sonde nach dem Platzen des Ballons bei ihrem Fall zurück auf die Erde etwas abgebremst wird, zwischen Ballon und Sonde an einer Spezialschnur angebracht.


Das Fall-Schirm-Team beim Entwirren der Schnur.

Die Leinen des Fallschirms hatten sich plötzlich ziemlich heftig verheddert und das Team kam ganz schön ins Schwitzen. Frau Pauldrach half kurzerhand mit und gemeinsam gelang es, den Knoten zu entwirren.

Die Zeit bis zum Start lief ab... 15 Minuten... 10 Minuten... 5 Minuten, dann war es endlich soweit: Um 10:15 Uhr wurde der Ballon mit vereinten Kräften in die Luft gelassen.


Start und Aufstieg des Wetterballons inklusive Fallschirm…


… und Sonde.

Einmal freigegeben, stieg der Ballon so schnell, dass wir ihn schon nach wenigen Minuten nur noch als winzigen Punkt am Himmel sehen konnten. Die Freude über den geglückten Aufstieg war riesig und der Jubel dementsprechend groß. Dank GPS-Tracker konnten wir quasi in Echtzeit auf dem Bildschirm eines mitgebrachten Laptops verfolgen, wie schnell der Ballon aufstieg und in welche Richtung der sich dabei bewegte.

Nach der Schule fuhr das Bergungsteam, das neben Lennard aus drei weiteren Jungs der Klasse bestand, in Richtung des vorausberechneten Landeortes, der circa eine Stunde mit dem Auto von Hemsbach entfernt war. Mit Hilfe des GPS-Trackers konnte die genaue Position der Sonde schnell gefunden werden: in den Weinbergen, wenige Meter von der Autobahn entfernt. Die Kamera lief noch und hatte den gesamten Flug aufgenommen.


Erfolgreiche Bergung in den Weinbergen.

Insgesamt war der Ballon 135 Minuten in der Atmosphäre aufgestiegen und hatte dabei, bis zu seinem Platzen, eine Höhe von 30.961 Metern erreicht – das ist dreimal höher als ein Flugzeug fliegt! Der gesamte Flug vom Aufstieg auf dem Sportplatz in Hemsbach bis zur Landung in den Weinbergen bei Saulheim dauerte 3 Stunden und 17 Minuten und der Ballon legte dabei eine Distanz von ca. 85 Kilometern zurück. Das Video, welches die gesamte Flugzeit umfasst, lieferte nicht nur eindrucksvolle Luftaufnahmen von Hemsbach und Umgebung sondern auch von der Krümmung der Erdoberfläche, den Wolken und der Atmosphäre.


Die Flugroute des Ballons

Das Auflassen des Wetterballons war ein tolles Erlebnis, welches ohne den Einsatz und die vielen Mühen von Lennard und seiner Familie nicht möglich gewesen wäre. Frau Pauldrach und alle Schülerinnen und Schüler der Klasse sagen DANKE an Lennard und die gesamte Familie Braun!

Ein Gastbeitrag von Hannah Bleß, Klasse 5a